Sep 122017
 

Es ist aber auch ein Kreuz mit den Messwerten! Kaum stimmt was nicht, schon ist das Geschrei groß und Betrugsvorwürfe werden laut. Audi als Automobilhersteller kann ein Lied davon singen, umso ärgerlicher, wenn jetzt zu dem hausgemachten Scheiß auch noch fremder Mist dazu kommt. Nix ist mehr mit positiven ROI für AUDI als Sponsor im sauberen Segelsport, wenn wie jetzt bei der Audi J/70 Weltmeisterschaft 2017 in Porto Cervo 7 Boote wegen nicht zulässigen Veränderungen an dem OneDesign Kiel von der Wettfahrtleitung aus der Weltmeisterschaft genommen werden.

Audi J/70 Weltmeisterschaft 2017 - Mitteilung der Wettfahrtleitung über Ausschluss von Booten wegen Veränderungen am Kiel

Audi J/70 Weltmeisterschaft 2017 – Mitteilung der Wettfahrtleitung über Ausschluss von Booten wegen Veränderungen am Kiel

Offenbar neigt man in Italien der Auffassung zu, dass die OD Regeln der J/70 hinsichtlich der Rumpfanhänge „more a guideline than a rule“ sind, aber wenn es stimmt, dass dort von einer Werft u.a. die Delrinstreifen im Kiellager so verbessert wurden, dass der Kiel nun tiefer als beim Produktionsboot gehen, dann ist es kein Wunder, dass sich die übrigen Teilnehmer der Weltmeisterschaft betrogen fühlen. Die Wettfahrtleitung hat in Zusammenarbeit mit der Internationalen KV der J/70 als auch der Italienischen KV gestern Abend reagiert und die von den Vermessern beanstandeten Boote aus der Meldeliste gestrichen. Es verdichten sich die Hinweise darauf, dass es sich bei den 7 Booten nur um die Teams handelt, die dachten, es wäre eine gute Idee, mit dem Vermessern über die Regelkonformität ihrer Kiele zu diskutieren. Andere Teams waren klüger und hätten ihre Meldung kurzfristig gestrichen und sich still vom Hof gemacht …

Jan 062013
 

Das Vendée Globe 2012-13 wird für den Schweizer Bernhard Stamm immer mehr zu einer einzigen Tortur: Schon seit Portugal quält ihn die Stromversorgung an Bord seines Open 60 Cheminees Poujoulat. Alle Reparaturen brachten keine Verbesserung, was ihn letztendlich zu einem Reparaturstop in einer Bucht bei den Auckland Inseln südlich von Neuseeland zwang. Leider hielt sein Anker nicht, als der Wind auf über 40 kns zulegte. Es bestand die Gefahr, dass seine Yacht dadurch auf das kurz nach ihm in der selben Bucht vor Anker gegangene russische Forschungsschiff Professor Khoromov treibt und dabei beschädigt würde. Aus der Abwehr dieser Gefahrensituation hat sich der Protest der Wettfahrtleitung der Vendée Globe gegen Bernhard Stamm entwickelt, da er in seinem Bericht gegenüber der Wettfahrtleitung angab, dass ein russischer Seemann sein Schiff betreten und diese Hilfe bei dem Ankeraufmanöver als auch bei dem Befestigen der Cheminees Poujoulat an dem Forschungsschiff leistete.

Die Verhandlung des Protestes durch die Internationale Jury des VG endete mit der Disqualifikation von Bernhard Stamm wegen der Inspruchnahme von Hilfe von Außen während der Vendée Globe.

Noch ist über die Berufung von Stamm gegen diese Entscheidung durch die Jury nicht abschließend entschieden worden, da erreicht uns die Nachricht, dass Stamm heute morgen eine Kollision mit einem UFO hatte. Das Schiff selbst blieb ohne Schaden, aber ein Hydrogenerator wurde von der Backbordseite des Heckspiegels abgerissen. Der zweite Hydrogenerator scheint defekt zu sein, da er derzeit keinen Ladestrom für die Batterien der Cheminees Poujoulat liefert. Da infolge der andauernden Stromprobleme ein Großteil des an Bord gebunkerten Treibstoff bereits verbraucht ist, reicht der restliche Vorrat nicht bis Frankreich. Bernhard Stamm hat als erste Reaktion auf den Verlust des Hydrogenerator seinen Stromverbrauch auf ein Minimum herunter gefahren und die Kommunikation mit seinem Team und der Wettfahrtleitung gekappt. Eine geschützte Bucht für einen erneuten Reparaturstop wird Stamm erst hinter Kap Hoorn finden können. Das bedeutet, dass dem Schweizer mit seiner stark gehandicapten Yacht 1.000 lange Seemeilen quer durch eines der einsamsten und gefährlichsten Reviere der Welt bevorstehen. Ich drücke ihm dafür alle Daumen und hoffe, dass wir bald gute Nachrichten von Stamm erhalten.

Jan 042013
 

VENDEE GLOBE 2012/2013 - PACIFIC OCEAN - 01/01/2013 - PHOTO BERNARD STAMM (SUI) / CHEMINEES POUJOULAT - HAPPY NEW YEAR 2013PHOTO © BERNARD STAMM (SUI) / CHEMINEES POUJOULAT – HAPPY NEW YEAR 2013

Der Champagner zur Begrüßung des neuen Jahres wird Bernhard Stamm nicht über die Entscheidung der Internationalen Jury der Vendée Globe 2012-13 hinweg trösten können: Disqualifikation wegen der Inanspruchnahme von Hilfe von Außen!

In den letzten Tagen wurde das Thema auf SA.com und anderen Websites ausführlich diskutiert und es gibt viele gute Argumente für die Entscheidung von Bernhard Stamm, der, angesichts einer drohenden Kollision mit dem Forschungsschiff Professor Khoromov in der gemeinsamen Ankerbucht, einen russischen Seemann, der ohne Einwilligung von Stamm an Bord der Cheminées Poujoulat  kam, nicht sofort von seinem Schiff verwiesen hat. Auch das gemeinsame Festmachen des Open 60 an dem Forschungsschiff war ein Verstoß gegen die Regeln, unter denen die Vendée Globe ausgeschrieben und gesegelt wird.

Angesichts der Strapazen, die jeder Solosegler bei dieser Regatta ertragen muß, erscheint es als beckmesserische Regelversessenheit, wenn die Jury den Protest der Wettfahrtleitung gegen Bernhard Stamm regelkonform mit der Disqualifikation des Schweizers entscheidet. Man braucht auch nicht lange darüber steiten, ob es gute Seemannschaft ist, dafür zu sorgen, dass sein Schiff nicht beschädigt wird, natürlich ist es das. Aber auf der anderen Seite ist die Regel für die Vendée Globe einfach, klar und ohne Spielraum für die Jury: Hilfe von Außen führt zur Disqualifikation des Einhandseglers. Ein harte Urteilsspruch der Jury, ein schwerer Schlag für den Skipper, aber eine logisch Entscheidung bei einer Regatta, die darauf gründet, dass die Welt einhand unter Segeln und ohne Hilfe von Außen umrundet wird.

Bernhard Stamm segelt seinen Open 60 weiterhin in Richtung Kap Hoorn. Er muß sein Schiff sowieso nach Europa zurück bringen, weshalb sollte er seinen logischen Kurs von der Entscheidung der Jury beeinflussen lassen. Und solange die Jury nicht über seine Berufung hinsichtlich der Disqualifikation entschieden hat, bleibt ihm nicht viel anderes übrig als so zu segeln, als ob er noch im Rennen ist.