Jul 242016
 

Vorgestern wurde die 127. Travemünder Woche eröffnet und zahlreiche Segelinnen und Segler tummeln sich mit Dickschiffen, Jollen, Skiffs und Katamaranen auf den Regattabahnen dicht unter Land oder draußen vor der Küste auf der Ostsee. Mit im Geschäft ist auch die Segel-Bundesliga, bei der vor Ort die Vereine der 1. und 2. Liga um die Wertungspunkte für die Meisterschaft 2016 segeln.

Jul 192016
 

Anarchist Raoul hat mich auf ein Video aufmerksam gemacht, dass zeigt, wie in Rußland ein Mastwalk gemacht wird. Während Alex Thompson für die Aufnahme seines Werbevideo ein komplettes Filmteam mit Boot und Heli zur Verfügung hatte, war für Bowgirl Ana von der russischen Kvartet ein Defekt des Masttops der Grund für den Einsatz in voller Schlechtwetterbekleidung.

Mast hoch, Boot in die Waagerechte gebracht, Kiel sauber frei vom Wasser gehalten, Gennakerfall klariert, runter bis zur Saling, Absprung in den Gennaker und dann mit ausgelöster Automatikweste und Segelnkopf zurück an Bord, Respekt für den Willen und Mut zum Einsatz, dass Problem zu lösen. Ich denke, jede Crew würde sich über solch ein Mitglied auf dem Vorschiff freuen, zumal wir uns Dank der ORC Sportboat European Championship 2016 in Chioggia auch ein Bild von Ana bei Sonnenschein machen können :-)

ORC Sportboat European Championship 2016 - Ana - Vorschiff Kvartet - Photo © Fabio Taccola

ORC Sportboat European Championship 2016 – Ana – Vorschiff Kvartet – Photo © Fabio Taccola

Jul 072016
 

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Wenn es weniger auf SailingAnarchy.de als üblich gibt, dann ist in der Regel Urlaubszeit. In diesem Jahr ging es nach Osten und in Rumänien gibt es in den Karpaten nicht nur Bären und Wölfe, sondern auch große Stauseen.

Stausee in Rumänien - Uferbebauung

Stausee in Rumänien – Uferbebauung

Was es auf dem See nicht gab, sind Segelboote :-( Auch nicht ganz schlimm, denn offenbar wird der See auch als Sammelstelle für Plastikmüll genutzt.

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Jun 302016
 
Humphreys 22 - Cockpit - Kajüte - Photo © Eigner

Humphreys 22 – Cockpit – Kajüte – Photo © Eigner

Ein alter Bekannter aus den Zeiten der seeligen ISRA ist der jüngste Neuzugang in dem kostenpflichtigen Gebrauchtbootmarkt aus SailingAnarchy.de: Eine Humphreys H22, Standort Chiemsee, regattafertig ausgerüstet, 2 Satz Segeln, inklusive 1 Benzin AB und 1 gebremster Trailer, kurz, ein wirklich rundes Paket für Einsteiger in die sportlichen Kielbootklassen. Wer nicht länger auf eine J70 sparen möchte, dem kann ich dieses attraktive Angebot nur empfehlen!

Jun 262016
 

Hier der versprochene Artikel zum Abschluß der Europameisterschaft der Sportboote 2016 in Chiaggio. Ich möchte klarstellen, dass es nicht an Anarchist Raoul gelegen hat, dass sein Beitrag erst heute auf SailingAnarchy.de erscheint, die Verzögerung habe ich verschuldet und bitte dafür bei Raoul und Euch um Entschuldigung. Ganz herzlichen Dank an Raoul und das türkischen Farr 25 Team, das sich die Zeit genommen hat, seine Erfahrungen und Eindrücke aus Italien für uns aufzubereiten! Aber Achtung: Die nachfolgenden Zeilen können Spuren von Frustration, Neid und Nüssen enthalten!

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ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia – Fleetracing – Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

So, die Euro ist um. Wir sind im Vergleich zum Vorjahr um 15 Plätze nach hinten gerutscht und haben die Euro auf dem 17. Platz beendet. Sicherlich kein Ergebnis über das man jubelt oder über das man sich ausgiebig freuen kann. Da tröstet es auch wenig, dass wir von den Booten, die am Vorjahr am Balaton dabei waren, noch am Besten abgeschnitten haben. Ausgehend von dem bescheidenen Ergebnis, fällt es dann auch immer schwer, über ein Event zu berichten. Zu viel Kritik wirkt schnell wie frustriertes Nachgrätschen und Relativieren. Aber irgendwie will man auch nicht einfach alles so stehen lassen, wie es lief. Daher zu erst einmal: Wir waren schlichtweg falsch vorbereitet. Wir hatten im Winter viel Zeit in Manöver und Geschwindigkeit gesteckt und waren lange nicht mehr in großen Feldern gesegelt. Das sollte sich schnell rächen. Dazu war unser Winter und Frühjahr von viel Starkwind geprägt. Wir sind unheimlich viel unheimlich schnell rumgeballert. Leichtwind hatten wir im Training vielleicht 2 mal. Das sollte sich noch viel mehr rächen. Und um den sicher geglaubten Sponsor aus dem Getränkebereich hatten wir uns auch nicht so richtig gekümmert. Da das Budget bei denen eingekürzt und erst 3 Wochen vor Abfahrt genehmigt wurde, waren auch keine neuen Segel drin. Wir hatten aber die 3DLs vom Vorjahr (insgesamt 4 Jahre alt und vielleicht 20 mal gesegelt) noch mal hochgezogen und im Profil für gut befunden. Die delaminierten Stellen sollten nicht stören.

Wie im Vorjahr kam das Boot zu spät an. Zum einen hatte die RoRo Fähre wegen eines Streiks in Istanbul einen Tag Verspätung, zum Anderen blieb das Boot wieder mal im Zoll hängen. Wir hatten zwar dieses Mal an alle Papiere für das Boot gedacht, keiner hatte aber daran gedacht, dass man den selben Kram vielleicht auch für den LKW unter dem Boot bräuchte. Wir kamen also gerade mal Dienstagabend ins Wasser. Training dann am Mittwoch wie schon bei SA.de beschrieben. Bis dahin sahen wir alles noch gelassen. Bei 10 Knoten konnten wir scheinbar mithalten.

Letzte Vorbereitungen für die ORC Sportboat Euro 2016 - Photo © Team Ruffles / FARR 25 OneDesign

Letzte Vorbereitungen für die ORC Sportboat Euro 2016 – Photo © Team Ruffles / FARR 25 OneDesign

Donnerstag also erster Start zum ersten Rennen. Der Wind erreicht die 7 Knoten nur manchmal. Beide Rennen spielen sich zwischen 5 und 6 Knoten ab. Riesen Aufregung bei uns an Bord. Start mitten im Gewühl, bei Null auf der Linie um gleich mal von einer Ufo28, die die Linie abrasiert abgeschossen zu werden. Immerhin Abbruch wegen eines 30° Drehers. Beim zweiten Start das gleiche Spiel mit der gleichen Ufo. Es sollte sich bald eine Freundschaft zwischen uns und diesem Boot entwicklen, die darin mündete, dass die rote Flagge viel zu oft am Achterstag baumelte… Zweiter Start General Recall. Beim dritten Start kommen wir zügig los, sind zeitig gut dabei. Werden aber in der ersten Minute unterwendet, wenden auf Steuerbord weg, geraten in ein hilfloses Chaos anderer Boote, die lauthals Raum (AQUA) verlangen und verlieren den Groove. Am Luvfass kommen wir als 10. Boot an. Immer noch o.k. aber der ganzen Freiwenderei hat man kaum eine Chance bei 0.8 Seemeilen Schänkellänge mal zu seinem Handicap zu segeln… Downwind bei dem wenig Wind fahren wir auch kaum weg. Mit einem 19. Platz sind wir uns sicher den Streicher der Serie eingefahren zu haben. Hätten wir mal besser wissen sollen. Im zweiten Rennen läuft es ähnlich und wir sichern uns im sterbenden Wind noch einen 14. Platz.

2. Tag: Offshore/Mittelstrecke. Ich hatte mich schon gewundert, warum man eigentlich als Veranstalter nur einen Offshore Kurs von Anfang an ausgibt. Im Skippersmeeting wurde dann betont, dass der auch – egal was für Wind ist oder nicht ist – gefahren wird. Wir starten mit 4 Knoten TWS eine kurze Kreuz über ca 5 Kabel in die Adria nach Osten. Danach ein langer Kreuzschlag gen Süden und ein klassischer Downwind zurück zum Start. Das Spiel zweimal. Wetterbericht hatte wenig Wind voraus gesagt. Uns erwischt das Code Zero Fieber. Unsere vermeintliche Geheimwaffe soll es richten mit dem Speed. Nach Vorhersage soll es quasi nur Code Zero geben. Wir tippen beim Ablegen schon mal im Kopf die Pressemitteilung frei nach Frank Schönfeldt „Flau“. Da man nach ORC Sportboot nur zwei Downwind-Segel dabei haben darf nehmen wir Code Zero und A1 (Reacher) mit. Man kann ja nie wissen. Was man aber wissen sollte, kaum ist der verda…. Zero an Bord wird es immer zu spitz oder zu tief. Am Ende hätten wir den A2 (Runner gebraucht). Wir quälen uns mit dem Rest über den Kurs. Kaum im Ziel nimmt der Wind gegen späten Nachmittag wieder zu (wie jeden Tag) und spült die ganzen kleinen Boote ins Ziel…. Verdam…. Ein nicht streichbarer 24. Platz ist das Resultat. Immerhin spricht der Wetterbericht von mehr Wind für die kommenden Tage. Noch scheint also nicht aller Tage Abend…
3. Tag:
Draussen knastert es. Also quasi. Zumindest fühlen sich die 11 Knoten vor Chioggia im Vergleich zu allem bisher erlebten wie 30 Knoten Ost auf Stollergrund an. Heroisch kämpfen wir uns auf den Kurs und fühlen, dass unsere Stunde gekommen ist. Hatte ich erwähnt, dass mit jedem Tiedenhub (immerhin knapp 1 Meter in Venedig) das ganze Seegras der Lagune in die Adria, direkt auf den Kurs gespült wird. Als Resultat fährt auch die ganze Flotte beim 6 Minuten Signal einmal mit back gestelltem Groß kollektiv rückwärts… Der erste Start des Tages ist wieder chaotisch. Wir schaffen es gerade aus einem Knäuel von 12 Booten heraus, die beim Start in einander krachen, weil der weiße Linienrasierer wieder zugeschlagen hat. Nach Freiwenderei und zwei passablen Downwinds schließen wir das Rennen auf der falschen Seite als 22. ab. Langsam dämmert uns, dass das nix mehr wird. Das fördert aber die Kreativität und wir beschließen, dass wir lieber in der zweiten Reihe direkt am Schiff starten um uns dem Gewühl italienischen Temperaments herauszuhalten. Im letzten Rennen waren die Frühstarter am Ende der 1. Kreuz sogar vor uns, weil der ganze Kampfpulk sich so verzahnt hatte. Die neue Taktik klappt erstaunlich gut. Rechts raus, nach knapp 200m wenden, vorne weg und mit freiem Wind endlich mal die Targets ersegeln. Wir kommen knapp hinter der Esse und den beiden großen 9 Meter „Maxis“ am Luvfass an. Klappt doch. Dank sterbenden Windes und munterer Aufholjagd von hinten wird es trotzdem nur ein 12. und ein 11. Platz. Immerhin, irgendwie geht es ja doch. Auch wenn langsam die Frustration über Hand nimmt, dass wir Boote wie die Fat26, die ILC25 und die Delta84 gesegelt und gerechnet nie bekommen.

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia - - TNT - Nitro 80 - Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia – – TNT – Nitro 80 – Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

4. Tag:
Der Italiener mag Überraschungen. Der Türke nicht so sehr. Als wir im Hafen um 9 aufschlagen ist kein Boot mehr da. Ups, da haben wir wohl den Aushang übersehen. Anstelle Start um 12, geht es heute schon um 10 los. Anfahrt auf den Kurs ca. 45 Minuten dank entgegenstehender Tiede. Immerhin einmal macht unser 6PS Aussenborder Sinn. Etwas gehetzt kommen wir zum Schuss pünktlich an. Wind knapp über dem 5 Knotenlimit. Das erste Rennen wird ein neues Waterloo. Zu spät bemerken wir das Büschel Seetang am Kiel. Dank Cutter immerhin schnell erledigt. Zum Schluss schlage ich vor, dass wir anstelle der 3DLs einmal unsere neue Kevlar Panel Fock ausprobieren. Vielleicht fährt die ja besser. Freude kam bei den Jungs nicht auf. Trtozdem getauscht. Leider war das Ding dann tatsächlicher höher und schneller…. verdam….. ach egal…

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia - Sieger Mind the Gap - FAT 26 - Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia – Sieger Mind the Gap – FAT 26 – Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

Bei soviel Ehrlichkeit, soll aber auch Kritik gestattet sein. Wenn man sich die Top10 Liste anschaut, dann kommen schon gewisse Fragen. Das ORC hatte speziell für Italiener die Sportbootregel aufgeweicht. Length/Displacement Faktor wurden zu Gunsten der Miniatura Klasse in Italien erweitert (soviel ich weiß von 2 auf 6). Das dominierende Boot (Fat26) wäre nach alter Regel nicht zugelassen gewesen. Die Delta war an der Grenze, ebenso wie die Protagonist und die ILC.

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia - - Sprito Libero - Protagonist 750 - Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia – – Sprito Libero – Protagonist 750 – Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

Vor allem die Fat26 wird dem Namen Miniatura dabei sehr gerecht. Das Boot erinnert von Form und Segelverhalten an die guten alten IMS Größen wie Rodman und GS42R. Ohne Frage wurde das Boot von einer sehr guten Crew gesegelt, die wohl auch mit einer Melges24 den Titel gewonnen hätte. Trotzdem bereitet diese Wahl aus meiner Sicht Probleme, da ich befürchte, dass dies andere Boote anzieht oder Eigner zum Umbauen animiert. ILC und FAT hatten klassische Anhänge wie man sie zu IMS Zeiten zuhauf gesehen hatte. Gewicht weit oben, etc. Erste Eigner richtiger Sportboote denken jetzt schon ernsthaft über Umbauten in die selbe Richtung nach. Mag es Frustration oder Neid sein, ich persönlich finde, dass das mit einem Sportboot wenig zu tun hat und am Ende die interessanten Designs wie Ufo, Melges, Farr25 und so weiter verdrängt. Wenn das ORC wie so oft betont, wirklich Interesse an „richtigen“ Sportbooten hat, dann muss hier eine Entscheidung und eine konsequente Definition des Begriffes Sportboot erfolgen, die solchen Entwicklungen deutliche Grenzen setzt. In Australien wird dies deutlich extremer ausgelegt und gehandhabt. Nur Boote mit Gennaker. Das würde bei uns schon die Platu ausschließen, was aber auch nicht Sinn der Sache sein kann. Es bleibt zu hoffen, dass das ORC hier schnell und kompetent handelt. Die internationalen Eignerverteter sind hier gefordert und werden sicherlich auch sich zu Wort melden.

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia - Delta 84 - Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

ORC Sportboat European Championship 2016 Chioggia – Delta 84 – Photo © Fabio Taccola / AGnetworkpls /FIV

Auch bleibt zu hoffen, dass bei der Auswahl zukünftiger Reviere die Ausgewogenheit der Windbedingungen berücksichtigt wird. Eine Euro, die konsequent am unteren Ende der zulässigen Windbedingungen ausgesegelt wird, lässt auch einen bitteren Beigeschmack zurück. Vor allem, weil das schon im Vorfeld bekannt war und auch die Boote, die dann kamen für genau diese Bedingungen optimiert waren. Wenn das ORC weiterhin erwartet, dass Segler erhebliche Reisekosten auf sich nimmt, sollte auf eine gewisse Ausgewogenheit oder zumindest eine Vorherrschaft mittlerer Windbedingungen geachtet werden.

Gerüchte besagen, dass die 2017er Euro zusammen mit den großen Booten in Polen statt finden soll. Wenn sich das bewahrheitet, wäre zumindest schon einmal das Revier vielversprechender. Eine tolle lokale Sportbootflotte, Mittelwind, vielleicht auch mal ein bisschen mehr. Wenn jetzt noch das Klassenreglement wieder auf voritalienische Bedingungen zurückgesetzt wird, kann ich jedem deutschen Sportbootsegler, die Reise nur wärmstens empfehlen. Trotz allem Frust und Misserfolg hat sich auch Chioggia gelohnt. Der internationale Kern der Teams hat sich toll zusammengefunden und man freut sich gemeinsam wieder zusammen zu segeln. Auch 2017 wieder, bis dahin!