Nov 182017
 
Lorient - Edmond de Rothschild - Gitana 17 - Photo © S. Rausch

Lorient – Edmond de Rothschild – Gitana 17 – Photo © S. Rausch

Die große Überraschung beim Aufeinandertreffen der ULTIM Edmond De Rothschild vom Gitana Rennstall und der SOBEDO von Thomas Coville bei dem noch laufenden Transat Jacques Vabre war der Sieg der alten Sobedo über den in diesem Jahr erst zu Wasser gelassenen Neubau, der unter anderem auf Foils in den Auslegern des Trimaran setzt, die das Monster über dem Wasser fliegen lassen.

Aber wie es nun mal so ist: Neu bedeutet auch noch nicht erprobt, geschweige denn so ausgereift, dass man damit ein so bewährtes Schlachtross wie Sobedo locker auf dem Wasser verblasen kann. Wenn man Neuland betrittt, dann wird man stets neue Grenzen überschreiten und sich in unbekanntes Terrain bewegen, es ist es daher keine Überraschung, dass trotz der ausgiebigen Testfahrten von Gitana 17 die Foils bereits nach wenigen Tagen im harten Regattamodus massiven Schäden durch Delamination erlitten. Interessanterweise traten die großflächen Schäden an der Schwert an der Hinterkante des Foils auf, mal schauen, was nach der Untersuchung der Schwerter von den Composit-Ingenieuren als Ursache für die Delamination und die daraus resultierenden Folgeschäden festmachen können. Und kein Wunder, dass man mit dem defekten Schwertern keine Chance mehr hatte, Thomas Coville und Sobedo einzuholen, nachdem Sebastian Josse und sein Co-Skipper Thomas Rouxel auf Höhe der Azoren im direkten Wettkampf sich auch noch für die schlechtere Route gewählt hatte.

Gitana 17 - Schwere Schäden an den Foils von Edmond De Rothschild nach dem Transat Jacques Vabres 2017 - Photo © Photo : PY Leroux

Gitana 17 – Schwere Schäden an den Foils von Edmond De Rothschild nach dem Transat Jacques Vabres 2017 – Photo © Photo : PY Leroux

Nov 122017
 
VOR 2017/18 - Leg2 - Doldrums passiert - Screenshot © VOR Website

VOR 2017/18 – Leg2 – Doldrums passiert – Screenshot © VOR Website

Uur Zeit herrscht dichter Verkehr in dem Seegebiet zwischen Afrika und Südamerika und die aktuellen Bedingungen in den für seinen anhaltenden Flauten berüchtigten Kalmenzone nördlich und südlich des Äquators spielen den Navigatoren und Skipper der Rennyachten des Volvo Ocean Race in den Karten. Nördlich des Äquators sorgt das Azorenhoch für Wind, der im Uhrzeigersinn rum das Hochdruckzentrum weht, im südlichen Atlantik bestimmt das St. Helena Hoch den Wind, der aber auf der südlichen Halbkugel gegen den Uhrzeigersinn um das Zentrum rotiert. Für die mehr oder wenig stark ausgeprägten Flauten in dem Bereich dieser innertropischen Konvergenzzone, die den Seglern als Doldrums, Kalmen oder Pot au Noir bekannt ist, ist der starke Sonneneinstrahlung im Bereich des Äquators verantwortlich. Die enorme Enegiezufuhr sorgt dafür, dass sich eine langezogene Tiefdruckrinne bildet, in deren Bereich die erwärmte Luft aufsteigt und sich so über der Wasseroberfläche ein Hitzetief mit entsprechend niedrigen Luftdruck ausbildet.

Scallywag downwind vor Containerhafen Alcântara – Photo © SailingAnarchy.de 2017

VOR 2017/18 – Start Leg2 – MAPFRE und Scallywag downwind vor Containerhafen Alcântara – Photo © SailingAnarchy.de 2017

In diesem Jahr blockierten die Doldurm die Yachten des VOR kaum, quälende Flautentage mit schlagenden Segeln blieben den Seglerinnen und Seglern bislang erspart. Aber natürlich kam die Zone mit weniger Wind und weniger Geschwindigkeit, nun nur noch 10 kns anstatt der 20+kns wie bislang in der Passatwindzone. Und so kam es, wie man es auch von jeder Yardstickregatta auf seinem Heimatrevier kennt: Die Boote an der Spitze werden durch den schwächeren Wind eingebremst und die Verfolger am Ende des Feldes brausen noch mit guten Wind heran. Der Rückstand der beiden Nachzügler Scallywag und Turn the Tide on Plastic auf die Spitzengruppe hat sich so innerhalb von 12 Stunden fast auf die Hälfte reduziert und beträgt jetzt nur noch ca. 50 sm. An der Spitze verteidigte DONGFENG seinen knappen Vorsprung auf MAPFRE, aber der ist im Vergleich zu gestern wieder um die Häfte auf jetzt nur noch 3 sm geschrumpft. In der Regeln erreicht die Spitze des Regattafeldes zuerst den zunehmenden Wind und ab dann wird sich das Feld wieder schnell auseinanderziehen.

Transat Jacques Vabre - Passage der Doldrums durch SOBEDO und Edmond De Rothschild - 11.11.2017 - Screenshot © Website TJV 2017

Transat Jacques Vabre – Passage der Doldrums durch SOBEDO und Edmond De Rothschild – 11.11.2017 – Screenshot © Website TJV 2017

Eine ähnlich schnelle Passage der Doldrums wie die VO65 hatten die beiden ULTIM Trimaran Sobeldo und Edmond De Rothschild bereits einen Tag vorher bei dem parallel laufenden Transat Jacques Vabre erlebt. Mittlerweile haben die beiden Maxi Tris die Insel Fernando de Noronha passiert und donnern mit 28-30 kns entlang der brasilianischen Küste auf das noch ca. 600 sm entfernte Ziel Salvador de Bahia zu. Bei den IMOCA 60 liegt Boris Hermann mit einen Rückstand von ca. 220 sm auf den Führenden Jean-Pierre Dick auf Rang 5 des noch 13 Boote umfassenden Feldes. Noch hat Boris Hermann und der Großteil der Verfolger nicht die Kap Verden passiert, mal sehen, ob er und Thomas Ruyant die Malizia II wieder an die Spitzengruppe heransegeln können.

Transat Jacques Vabre - IMOCA 60 - Ranking - 11.11.2017 - Screenshot © Website TJV 2017

Transat Jacques Vabre – IMOCA 60 – Ranking – 11.11.2017 – Screenshot © Website TJV 2017

Nov 062017
 
VOR - Lissabon - Dongfeng führt hinaus auf den Atlantik - Photo © SailingA

VOR – Lissabon – Dongfeng führt hinaus auf den Atlantik – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Das Wochenende war voll mit Stoff für Segeljunkies: Start 2. Etappe des VOR in Lissabon, 2. Etappe MiniTransat auf den Kanaren, Finale 1. Segel-Bundesliga in Berlin, Start von Francois Gabart und MACIF zum Angriff auf den Jules-Verne-Trophy und Start des Transat Jacques Vabre in Le Havre. Viel Action, viel Spaß bei der Verfolgung der Hochseeregatta auf Livetracker auch auf SailingAnarchy.de (und das Bild von dem TJV wird auch noch geändert).

VOR Lissabon - Luvkampf zwischen TtToP und Akzo Nobel - Photo © SailingAnarchy.de 2017

VOR Lissabon – Luvkampf zwischen TtToP und Akzo Nobel – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Nov 022017
 
Lissabon - Windvorhersage für Start VOR 2017/18 - Leg 2 - Screenshot © Windguru.cz

Lissabon – Windvorhersage für Start VOR 2017/18 – Leg 2 – Screenshot © Windguru.cz

Heute geht es mit der CO2 Schleuder, Umweltsau, Mitarbeiterausbeuter und PAX-Abzocker Billigflieger ab nach Lissabon. Wenn alles klappt wie geplant, werde ich tagaktuell aus dem Race Village in Alges / Lissabon über das Inport-Race und den Start zur zweiten Etappe des Volvo Ocean Race 2017/18 nach Kapstadt berichten. Die Wettervorhersagen für Lissabon lassen auf ordentlichen Wind hoffen und wärmer als in Berlin ist es in Portugal um diese Jahreszeit wohl auch.

Leider verpassen ich in Lissabon den Saisonabschluß der 1. Segel-Bundesliga, die vom 02.-04. November in Berlin auf dem Wannsee vom Verein Seglerhaus am Wannsee in Kooperation mit dem Berliner Yacht-Club ausgerichtet wird. Aber man kann nicht alles haben, an diesem Wochenenden haben die Big Boats die Nase vorne.

Von beiden Veranstaltung als auch von dem Start des Transat Jacques Vabre werden für die Segelfans Livestreams im Internet angeboten, bitte am Freitag (VOR; 1. SBL), Samstag (1.SBL) und Sonntag (VOR, TJV) die entsprechenden Websiten anklicken.

Okt 312017
 
Lorient – Edmond de Rothschild – Gitana 17 – Photo © S. Rausch

Von Le Havre stechen am Sonntag die Teilnehmer des Transat Jacques Vabre nach Salvador de Bahia in See. Die Hingucker auch bei dieser Regatta sind die Trimarane der Ultim Kategorie: Hier tritt die neue Gitana 17 nach ihrer Taufe vor 3 Monaten erstmals zu einer Regatta an. Der Multihull Maxi aus dem Rennstall von Edmond de Rothschild ist das erste Dreibahn mit 32 m Länge, dass auf Foils über dem Wasser fliegen kann.


Entworfen, um Rekorde zu knacken, werden Sebastian Josse und sein Co-Skipper Thomas Rouxel mehr als alle Hände voll haben, dieses Monster zu Zweit zu bändigen und sicher und ohne Bruch über den Atlantik zu segeln. Gegen sie treten Thomas Coville und Jean-Luc Nélias mit der 2014 gebauten Sobedo an, ein erprobtes Boot, dass dem neuen Wunderkind Gitana 17 auf den ca. 4.300 sm nach Brasilien nichts schenken wird. Die geringsten Chance auf den Sieg auf die Line Honors hat die mit 24 m Länge deutlich kleinere Prince de Bretagne, die von den erfahrenen Skipper Lionel Lemonchois und Co-Skipper Bernhard Stamm an die Startlinie gebracht wird.

Mit 6 Yachten ist die Klasse Multi 50 stark vertreten, einer der Favoriten sind Skipper Thierry Bouchard und Oliver Krauss mit ihrem Neubau Ciela Village aus dem Computern von VPLP Design und gebaut von den Carbonkünstlern bei CDK Technologies. Die große Frage wird sein, ob der Neubau gegen Erwan Le Roux bestehen kann, der als Seriensieger des TJV in der Class Multi 50 mit Routinier Vincent Riou auf dem VPLP Design Fenetréa – Mix Buffet aus dem Jahre 2009 an den Start geht.

In den beiden Monohull Klassen stellt die Class 40 mit 16 Booten erneut die größte Startgruppe in dieser 2-Hand Regatta, gefolgt von der IMOCA 60, bei denen  13 Teams an den Start gehen. Hier sind die Augen der Deutschen natürlich auf Boris Hermann gerichtet, der auf Malizia II unter der Flagge von Monaco gemeinsam mit seinem Co-Skipper Thomas Ruyant erstmals ein TJV angeht. Wie gesagt, am Sonntag geht es in LeHavre los, zeitgleich mit dem Volvo Ocean Race in Lissabon und ich bin gespannt, wann die Ultim Maxi Trimarane an der VOR Flotte überlaufen werden.