Jun 212018
 

Umschalten von Rasensport zum Wassersport! Auf der Website des Volvo Ocean Race läuft der Livestream des Startes zum finalen Etappe von Schweden nach Holland, 3 Teams punktgleich an der Spitze und jetzt ist Crunchtime für MAPFRE, DONGFENG und Team Brunel! Und es um noch etwas spannender zu machen, hat die Wettfahrtleitung die Route kurzfristig etwas gestreckt und schickt die Yachten von Göteburg hoch nach Norwegen, dann runter nach Aarhus und wieder gen Norden, rund Skagen und von dort geht es dann quer über die Nordsee ins Ziel vor Schevenigen.

Okt 152017
 
Senatspreis BYC 2017 - Herbstlaub - Photo © SailingAnarchy.de 2017

Senatspreis BYC 2017 – Herbstleuchten – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Die Segelsaison 2017 neigt sich ihrem Ende zu und nach einem kühlen, eher verregneten September zeigt sich der Oktober nun von seiner besten Seite. Nochmal Sonne, angenehme Temperaturen und nach Sturm Xavier hat sich der Wind bei 3-4 Bft. aus West eingependelt. Genau richtig also, wenn statt Absegelfeier nochmal Regattasegeln angesagt ist. Gerne habe ich die Einladung von Sven angenommen, heute mit ihm und seinem Bruder als Ersatz für ihren dritten Mann auf seiner Skippi 650 beim Senatspreis des Berliner Yacht-Club einzuspringen. Heute morgen leuchtete das Herbstlaub zwar prächtig in der Sonne, doch leider bedeutete der Sonnenschein auch, dass es im Gegensatz zu gestern heute wohl mit dem Wind nichts werden würden.

Senatspreis BYC 2017 - Windstille - Photo © SailingAnarchy.de 2017

Senatspreis BYC 2017 – Windstille – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Und so war es für die Berliner Segler und ihre Gäste aus den Streamline, H-Boot und J/70 Flotten keine große Überraschung, dass die Wettfahrtleitung um 10:00 Uhr am Flaggenmast AP empor zog. Auch wenn die Aussichten auf segelbaren Wind gering waren, stirbt bei den Seglerinnen und Seglern die Hoffung auf eine Wettfahrt zuletzt, aber die Sitzplätze vor dem neuerrichteten Clubhaus des BYC als auch auf dem Schwimmsteg waren schnell belegt.

Senatspreis BYC 2017 - Sonnenbank - Photo © SailingAnarchy.de 2017

Senatspreis BYC 2017 – Sonnenbank – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Die Zwangspause wurde zum Klönschank mit Freunde und Bekannten genutzt, einige fingen bereits damit an, ihre Boote für das Kranen vorzubereiten, Masten wurden gelegt und wenig später waren die ersten H-Boote schon aus dem Wasser und standen auf ihrem Trailer. Etwas Hafenkino gab es auch noch, ein gestern Nachmittag im am Steg überbordgegangenes Steckschott wurde dank Trockenanzug ohne Tauchereinsatz bei doch schon recht kühlem Wasser vom Hafengrund geborgen.

Senatspreis BYC 2017 - Hafenkino - Photo © SailingAnarchy.de 2017

Senatspreis BYC 2017 – Hafenkino, nicht Möchtegern-Jesus – Photo © SailingAnarchy.de 2017

Wenig später schoss die Wettfahrtleitung die Regatta ab und beendete die Veranstaltung damit vorzeitig, eine Entscheidung, die von den Teilnehmern begrüßt wurde, da bei diesen Windverhältnissen keine fairen, für eine Ranglistenregatta erforderlichen Voraussetzungen auf dem Wasser zu erwarten waren.

Jan 012017
 
Jahreswechsel in Berlin 2017 - Photo © SailingAnarchy.de

Jahreswechsel in Berlin 2017 – Photo © SailingAnarchy.de

Wir wünschen allen Segelanarchisten, ihren Familien und Freunden einen guten Start in das neue Jahr 2017! Wir freuen uns auf ein Wiedersehen mit Euch auf dem Wasser und an Land, ganz besonders freuen wir uns auf eure Meldung zum SailingAnarchy-Cup, der in diesem Jahr am 22. & 23. Juli in Berlin vom SC Gothia ausgerichtet wird.

Jul 132015
 

Reschensee aus 2.000 m Höhe - Photo © SailingAnarchy.de 2015Wer seine Familie nicht auf das Boot bekommt, der muss als Segler bei der Wahl des passenden Urlaubortes flexibel sein. Wenn z.B. Bergwandern und Segeln unter einen Hut gebracht werden sollen, bieten sich in den Alpen einige Regionen als attraktives Ziel an. So habe ich in den vergangenen Jahren u.a. Attersee, Kalterer See, Gardasee und den Achensee kennengelernt. Bereits im vergangenen Jahr wurde ich von den Sportkameraden des Segelverein Reschensee herzlichst aufgenommen und konnte auf einer Soling als Crew eine Regatta segeln.Segelverein Reschensee - Clubhaus - 2015 - Photo © SailingAnarchy.de 2015Im Anschluss an die Wettfahrt bot sich in dem gemütlichen und erfrischend unmaritimen Clubhaus die Chance, mehr über den Reschensee, seine Geschichte und den SVR zu erfahren. Wer als Tourist über den Reschenpass in Richtung Süden reist, erfreut sich an dem Reschensee, in dessen Verlängerung die schneebedeckte Spitze des Ortler grüßt. Wenn man den aus dem Wasser ragenden Kirchturm von Alt-Graun erblickt, erkennt man, dass es sich bei dem Reschensee nicht um ein natürliches Gewässer, sondern um einen ca. 6,5 km² großen künstlichen Stausee handelt.Kirchturm Alt-Graun - Reschensee 2014 - Photo © SailingAnarchy.de 2015Aus einem energiewirtschaftlichen Projekt aus dem österreichischem Kaiserreich, der Zuschlagung von Südtirol nach dem Ende des 1. Weltkrieges durch die Siegermächte an Italien wurde nach der Überarbeitung des Staudammprojektes durch die nationale italienische Energiegesellschaft ein Stausee, bei dem gegen den Willen der Bevölkerung die Erhöhung der Stauhöhe von ursprünglich 5 Meter auf 22 Meter dazu führte, dass ganze Dörfer, uralte Weiler und mehr 520 ha Siedlungs- und landwirtschaftlicher Kulturfläche 1939 durch das faschistische Italien im „nationalen Interesse zur Stärkung der nationalen Industrie“ zwangsenteignet und die Bewohner zur Aus- oder Umsiedlung gezwungen wurde. Die Hoffnungen der Südtiroler, dass Projekt nach dem Ende des 2. Weltkrieges zu stoppen wurden enttäuscht: 1947 wurde der Bevölkerung mitgeteilt, dass mit dem Staudammprojekt begonnen und dieses bis 1949 abgeschlossen werden soll. Im Sommer 1950 mussten viele Familien die Orte Graun, Reschen und Sankt Valentin verlassen, die Häuser wurden gesprengt und die seit vielen Jahrhunderten landwirtschaftliche genutzten Flächen überflutet. Vor diesem Hintergrund ist kein Wunder, dass sich die einheimische Bevölkerung mit dem ihr aufgezwungenen Stausee sehr schwer damit tat, den Reschensee außer für den Tourismus auch zur eigenen Erholung und Freizeit zu nutzen.Reschensee 2015 - Photo © SailingAnarchy.de 2015Im November 2011 war es dann soweit: Eine Gruppe von Seglerinnen und Seglern aus dem Vinschgau gründete den Segelverein Reschensee und machte sich an den Aufbau der notwendigen Strukturen zum Betreiben des Segelsportes an Land und Wasser. Der Vorstand des Vereins um seinen Präsidenten Alois Karner hatte dabei von Anfang an das Ziel, den Reschensee mit seinen hervorragenden Windverhältnissen in den Regattakalender von nationalen und internationalen Bootsklassen zu etablieren. Dazu nutzte der SVR seine Kontakte z.B. zu dem Segelverein Kalterer See und dem schweizerischem Segel Club Ägeri bei der Planung, Organisation und Durchführung von Wettfahrten und Regatten auf Reschensee. Sportlicher Höhepunkt in der noch jungen Vereinsgeschichte war die Durchführung der Schweizer Meisterschaft der 470er Klasse, aber auch mit der Organisation der offenen schweizer Meisterschaften für die Fireball Klasse bewiesen die Segler von Reschensee, dass sie in der Lage sind, für saubere Wettfahrten und faire Bedingungen auf dem Wasser zu sorgen.SVR Soling Clinic 2015 - Starttraining - Photo © SailingAnarchy.de 2015Der Vinschgau ist für seinen Wind berühmt und auf dem Reschensee kommt ihm noch eine der Höhen- und Passlage geschuldeten Thermik zu Hilfe. Die Tage, an denen sich der See windstill päsentiert, kann man dem Präsidenten des SVR zufolge an zwei Händen abzählen. In der Regel baut sich bei Sonnenschein und Hochdruckwetterlage ab dem späten Vormittag eine stetig zunehmende Brise aus Süd auf, die in den Spitzen bis zu 6 Bft. und mehr erreichen kann. Dabei ist der Wind relativ stabil und seine Dreher gut ausrechenbar. Bei Tiefdruckwetterlagen dreht der Wind auf Nord und bläst nach Süden über den See, den sich die Segler mit einigen Wind- und Kitesurfern teilen müssen. Motorboote sucht man auf dem See vergebens, neben dem eher kleinen Passagier- und Ausflugsboot Hubertus dürfen nur die beiden Wassersportvereine regelmäßig den See mit Motorkraft zu Training-, Regatta- und Sicherungseinsätzen befahren.SVR Soling Clinic 2015 - Starttraining - Photo © SailingAnarchy.de 2015 Die Jugendarbeit im Segelverein Reschensee findet auf Optimisten, Laser und 470er statt und führt durch z.B. Schnupper- und Einsteigerkurse auch noch segelfremde Jugendliche an den Wassersport heran. Aufgrund der Revierverhältnisse hat sich der SVR entschieden, mit der Soling ein bewährtes, schnelles und sicheres Kielboot als Regattaboot zu forcieren. Mittlerweile segeln 8 der ehemals olympischen 3-Mann Boote unter dem Stander des SVR, aber auch andere Kielboote wie z.B. Dyas oder Jollen und Katamarane haben ihren Platz in dem Verein gefunden und werden u.a. bei der 3. Turmregatta des Segelverein Reschensee am 1. und 2. August um Silber und Sieg segeln. Meldung in den Klassen Soling, Finn, Fireball und Topcat werden von dem SVR gerne entgegengenommen und ich bin mir sicher, dass alle Regattagäste ihre Anreise zu dem Südtiroler Hochsee nicht bereuen werden.

Dez 222013
 

rufflesblauemoschoeeDie Segelwelt ist international und SailingAnarchy und SA.de haben schon immer über den nationalen Tellerrand geschaut. Regatten führen rund um dem Globus und wir freuen uns, wenn wir Berichte von Anarchisten aus allen Ecken der Erde erhalten. Raoul, ein Urgestein der deutschen Anarchisten, hat es im vorletzten Jahr aus beruflichen Gründen nach Istanbul verschlagen, jetzt haben wir von ihm einen langen Artikel und Bilder zu der Segelszene an Bosporus und Marmarameer erhalten. Vielen Dank an Raoul und Euch viel Spaß beim Lesen:

Die fahren nicht nur so, die segeln auch so. Wild, emotional und mit der Gewissheit, dass eventuelles Regelwerk mehr als ein Ratgeber denn als Gebot verstanden werden muss. Nur, dass beim Segeln die geringere Geschwindigkeit durch noch mehr Nähe ausgeglichen wird. Es sind noch 15 Sekunden bis zum Startschuss. Sükru hat uns unter die gegnerische GP26 platziert und luvt jetzt laut schreiend den Gegner Richtung Linie.

DSC_2857Während beide Steuerleute wild gestikulieren, kann ich mich noch nicht entscheiden, ob ich wirklich meine Füße durch die Reling nach Luv strecken will. Dort, wo gerade noch eine große Lücke war, droht jetzt die gegnerische Bordwand, die immer näher kommt. Zum Glück verstehe ich nur wenig Türkisch, aber nach Ton und Intensität wird zwischen den Booten heftig diskutiert. Sükru verleiht unserem Wegerecht dadurch Nachdruck, dass er unsere Backbordseite beherzt an die Scheuerleiste der 1 Fuß längeren GP26 anschmiegt und mit unserem Bug mehrere Male an die gegnerische Bordwand klopft. PROTEST! Während ich verwundert unter dem Relingsdraht durchschlüpfe, rutscht unser drahtiger Vorschiffsmann vor mir unter dem Seezaun hervor und reißt am Achterstag die rote Flagge aus ihre Hülse. Verdutze Gesichter im anderen Cockpit. Schuss, Knall,Start und nach Sekunden, die sich wie Minuten anfühlen, löst die GP den Kontakt zu unserer Bordwand und beginnt zu kringeln. Es scheint so, als ob wir den Start zur entscheidenden Wettfahrt der Saison gewonnen haben. Den ganzen Sommer haben wir uns mit den Jungs der GP26 duelliert. Noch ist unklar, wer am Ende die Istanbuler Sportbootmeisterschaften gewinnen wird. Diese Wettfahrt soll die Entscheidung bringen. Und die Sterne stehen gut für uns.

DSC_2962-wpUnseren streitbaren Eigner an der Pinne, habe ich vor zwei Jahren kennen gelernt, als mich der deutsche Ableger einer größeren amerikanische Segel-Website bat, ob ich nicht im Zuge eines Forschungsaufenthaltes in Istanbul ein neues Sportboot besichtigen könne. Bei 30 Knoten Wind und 3 Meter Welle ging es damals im späten März hinaus ins wilde Marmarameer. Ich muss zugeben, dass ich ganz froh war, als Boot und Crew nach einem nur kurzen Schlag wieder schnell im Hafen waren. Als sich danach abzeichnete, dass ich beruflich für längere Zeit nach Istanbul ziehen würde, war ich dankbar für den Kontakt und nahm die Einladung für einen weiteren Segelschlag gerne an. Da war mir aber auch noch nicht klar, worauf ich mich eingelassen hatte.

Sükrü Sanus ist der Kopf hinter dem neuen von Farr Yacht Design entworfenen 25-Fuß Sportboot. Sükrü selbst ist begeisterter Segler. Nach einer langen und erfolgreichen Karriere im 470er, die mit der Teilnahme an den olympischen Spielen 1996 in Atlanta gipfelte, folgte er einer bürgerlichen Karriere. Medizinstudium, Pflicht-Praktikum, Facharzt. Das sportliche Segeln trat dabei aber nie in den Hintergrund, nur das Alter forderte Kompromisse. Anstelle eines 470ers war der Istanbuler Arzt auf der Suche nach einer sportlichen, aber altersgerechten Alternative. Auf der Suche nach einem passenden Boot stellte er aber schnell fest, dass alle großen Klassen auf Entwürfe aus den 80ern und 90ern basierten. Selbst die so erfolgreiche Melges 24 beruht auf einem Entwurf von 1992. Nachdem alle Suche nicht befriedigend verlaufen war, schloss sich Sükrü mit zwei weiteren Segelfreunden zusammen und kontaktierte Farr Yacht Design in Annapolis, USA.Gemeinsam entwickelte man die Idee eines zeitgemäßen, modernen Sportbootes: trailerbar, mit 4-5 Personen zu segeln, Gennaker, Carbonmast, Bugsprit, ein breites, offenes Cockpit und eine Kajüte, die auch ein Wachsystem für längere Regatten erlaubt. Dazu Sicherheitskategorie C, die eine Teilnahme an küstennahen Regatten ermöglicht. Am Ende der Planungsphase war die neue Farr25 OneDesign geboren. Was vom Konzept her wie die Weiterentwicklung der ebenfalls von Farr Yacht Design gezeichneten Platu25 anmutet, zeigt sich bei näherer Betrachtung als ein eigenständiges und radikal neues Sportbootkonzept.

DayTestCodeZeroVon den Linien her ist das Boot aber eher eine verkleinerte TP52. Ein über 60 m² großer Gennaker, der am fast 2 Meter langen Bugsprit gefahren wird, beschleunigt das knapp 900kg wiegende Boot auf mehr als 20 Knoten. Im Gegensatz zu vielen aktuellen Sportbooten hat Farr bei dem Design aber besonderen Wert darauf gelegt, dass das Boot auch am Wind eine gute Leistung abliefert. Dafür sorgt unter anderem eine fast 500kg schwere, T-förmige Bleibombe, die an einem aus Carbon gefertigten Kielschwert steckt. Bei mehreren Rennen kam das kleine Sportboot gesegelt vor deutlich größeren Booten aus der 30-35 Fuß-Klasse im Ziel an, auch Dank seiner guten Upwind-Performance. Das Boot wird in Trabzon am Schwarzen Meer in der Werft von Sükrüs Vater in Serie gebaut. Es geht den Eigentümer des Farr 25 Projektes allerdings weniger um den Gewinn aus der Produktion und Verkauf des Segelbootes, vielmehr will mann anderen Seglern ein tolles, durchdachtes Produkt zu einem angemessenen Preis liefern. Daher auch der von Anfang an verfolgte Ansatz und Anspruch, die Farr 25 als One-Design-Klasse zu etablieren.

Akribisch wie eine Olympia-Kampagne hat Sükrü auch den Bau und die Entwicklung des Bootes vorangetrieben. Nur beste Markenprodukte werden bei dem Bau verwendet, so kommt u.a. die Steueranlage von Jefa, dass Carbon-Rigg liefert Southern-Spars, die Beschläge und Winschen sind von Harken. Die Segel werden von North Sails in Dänemark hergestellt. Alle Trimmleinen und Fallen laufen im Cockpit zusammen, Steuermann und Trimmer haben so direkten Zugriff auf alle wichtigen Schoten und können so das Boot bequem und schnell auf Geschwindigkeit halten.

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Die gleiche Akribie wird mir zum Verhängnis, als ich zum zum Training eingeladen werde. Während wir zum ersten Mal gemeinsam aufs Wasser fahren, werde ich mit meinen Mitstreitern bekannt gemacht. Schnell merke ich, dass ich das schwächste Glied in der Kette bin. Unser Vorschiffsmann besteht aus reinen Muskeln, die er an Bord der türkischen TP52 im Med-Cup als Midbow stärkt. Unser Taktiker war Mitglied im türkischen Admirals-Cup Team. Dazu Sükrü am Ruder und ein Segelmacher von Doyle im Pit. Schon bei der ersten Trainingswende lässt mich das Team genau spüren, wie weit ich hinter her hinke. Während der Rest der Mannschaft schon im Draht hängt, ächze ich durch das Cockpit, verheddere mich in den Schoten und reiße zu allem Unglück auch noch die Fockschot aus der Klemme. Sükrü lächelt nur. Als ob er weiß, dass es noch viele Wenden dauern wird, bis ich mit annähernd gleicher Geschwindigkeit wie meine Mitstreiter durch den Draht komme. Annähernd…

Während die GP 26 fluchend und schreiend kringelt, betrachte ich die Welt zufrieden grinsend upside down. „Hike harder!“. Langsam schwindet das Blut aus meinem Kopf. Während ich noch über Beruhigungsmöglichkeiten für meine Blase nachdenke, kommt auch schon die erste Wende. Durch unseren Zweikampf mit der GP26 bevorteilt, hat sich die lokale Melges24 die bessere Seite des Kurses gekrallt. Die Jungs passieren uns mit 3 Bootslängen voraus. Pustekuchen. Vom Rennwert schenken wir uns wenig mit der Melges. Aber leider ist deren Steuermann auch nicht blind. So heißt es hängen, Böenstriche mitnehmen und hoffen, dass wir das eine oder andere Mal besser raus kommen. Die höhere Am-Wind Geschwindigkeit der Farr25 hilft dazu. An der Luvtonne sind wir wieder dran. Hinter uns noch die GP26, die sich durch das Feld wieder heran gekämpft hat. Dann erst einmal lange nichts. Weiter hinten mehrere Platus, Delphia24s und J80s.

DSC_2753Der Türke mag Dreiecke. Bei knapp 20 Knoten fallen wir an der Luvmarke ab auf einen engen Reach. Während unser Segelmacher mit beherzten Zügen den A-3 Gennaker hoch reißt, bricht über uns die GP26 durch. Auf den Reaches sind die Jungs einfach schneller. Müssen sie aber auch vom Rennwert her sein. Aber auch wir brettern jetzt los. Der Kurs geht direkt auf die Hagia-Sophia auf der europäischen Seite zu. Mit 17 Knoten, und jeder Menge Wasser über dem Deck rasen wir im Formationsflug mit der Melges und der GP26 durch das Fahrwasser. Der Bosporus gehört zu den am meisten befahrenen Wasserstraßen der Welt. Ein munteres Gewimmel an Tankern, Kreuzfahrern, Fähren, Ausflugsbooten und sonstiger Schifffahrt. Sofern irgendwelche Ausweichregeln bestehen, erschließen diese sich einem Westeuropäer nur auf den zweiten Blick. Scheinbar gewinnt, wer größer ist, öfters hupt oder länger Kurs hält.

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Beim Ausweichen vor einer Schnellfähre schießt die Melges vor uns in die Sonne. Die GP und wir schaffen es gerade noch durch zu kommen. An der Tonne die entscheidende Halse: Wir sind ein bisschen schneller und kommen vorne raus. Auf dem zweiten Schenkel nun die Frage, ab wann man den Gennaker birgt. Es wird immer spitzer, dazu kommen wir aus der Landabdeckung und der Wind nimmt noch einmal deutlicher zu. Hinter uns legt sich die GP auf die Nase, uns reicht es, wir bergen das Tuch und gehen auf Nummer sicher, der Abstand ist ausreichend groß und reicht uns bis ins Ziel. Wir gewinnen wir nicht nur diesen Lauf, sondern auch die Meisterschaft! Kurz: der perfekte Abschluss für meine erste Segelsaison in Istanbul.

Das war Teil 1 der Geschichte aus dem Orient, Teil 2 folgt zu Weihnachten.