Okt 112017
 
Ian Lipinski - Sieger in der Protoklasse

Ian Lipinski – Sieger in der Protoklasse

Und die ganz große Sensation am Ende der 1. Etappe des MiniTransat la Boulangère: Ian Lipinski auf Platz 2! blieb aus. Aber Ian lag bis kurz vor dem Ziel knapp hinten, nachdem er in der Flaute nahezu chancenlos zusehen musste, wie der westlicher positionierte Arthur Léopold Léger an ihm vorbei zog und er sich schließlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen auf den letzten Meilen geliefert hat.

Ian Lipinski - Sieger in der Protoklasse

Ian Lipinski – Sieger in der Protoklasse

Glückwunsch also auch an Arthur, der den Seriensieger so enorm unter Druck setzen konnte – auch wenn da sehr viel Glück im Spiel war, denn ohne die Flaute wäre die erste Etappe wohl wie gewohnt – sprich mit einem Sieg von Ian – zu Ende gegangen, der sich bereits knapp 30sm Vorsprung erarbeitet hatte, bevor die Geschwindigkeiten immer geringer wurden und schließlich bei einem Etmal von unter 40sm einen absoluten Tiefpunkt erreichten.

Arthur - sein hartnäckiger Verfolger und Fast-Bezwinger

Arthur – sein hartnäckiger Verfolger und Fast-Bezwinger

Dass demnächst statt all der schnellen Protos von Simon, Jörg und Erwan eine ganze Gruppe von Serienschiffen in’s Ziel einlaufen wird, ist auch der ausgeprägten Flautenzone zu verdanken, die die Flotte nahezu 3 Tage im Griff behielt und die Geschwindigkeiten selten über 2kn  ansteigen ließ.

24h-Speed

Auch in der Serienklasse gibt es mit Clarisse Cremer einen echten Unglücksvogel. Clarisse lag ebenfalls mehr als 30sm vorn, was in der sehr dichten Serienklasse schon eine ganz starke Leistung ist. Doch auch hier zogen ihre Verfolger westlich vorbei und sie wird es wohl nicht mehr schaffen, die momentan 17sm auf Valentin Gautier aufzuholen. Überhaupt Valentin – mit seinem Sieg beim PornichetSelect hatte er zwar dieses Jahr bereits ein Ausrufezeichen setzen können aber ansonsten gab es keine Top-5-Platzierungen und er liegt in der Rangliste direkt vor Oliver Tessloff auf Platz 18. Es ist also schon eine Überraschung ihn auf Siegeskurs zu sehen.

Auffällig ist auch die enorme Zweiteilung des Serien-Feldes: Platz 1 – Platz 26 liegen ca. 90sm auseinander und Platz 27 liegt bereits 156sm zurück. Dabei kann man noch nicht mal sagen, dass in Feld1 (fast) alle neuen Schiffe vertreten sind und im Feld dahinter die älteren Schiffe. Im Gegenteil gibt es selbst unter den ersten 10 2 Pogo-2s (Ambrogio und Frederic) und einen Nacira ( Yann Burkhalter aus der Schweiz ) und finden sich in der hinteren Gruppe eine ganze Reihe von Pogo-3 und Ofcets.

Okt 052017
 

Und die ersten können heute noch Bergfest der 1340 sm langen 1. Etappe feiern – so sie es denn mitbekommen … Das Rennen begann mit relativ wenig Wind von vorn und altem Schwell, was das Segeln auf den sehr steifen Minis mit ihren flachen Unterwasserschiffen nicht sonderlich angenehm gestaltet. Man kann es auch drastischer ausdrücken – für mich waren das immer Kotzbedingungen. Und wenn dann auch noch Regen und Nebel dazu kamen, wurde es gleich noch mal unangenehmer.

Sowohl Wetter als auch Windrichtung blieb so für fast die ganze Zeit durch die Biskaya und so brauchten selbst die führenden Schiffe 3 Tage um die ersten 400sm hinter sich zu bringen. Inzwischen drehte der Wind etwas, nahm an Stärke zu und das Feld konnte am Kap Finisterre in Richtung Süd abdrehen. Und schon stiegen die Geschwindigkeiten auf Werte jenseits der 10kn.

Aber … offensichtlich kam das Aufdrehen des Windes für 3 Schiffe zu früh, denn Fred Guerin und Julien Mizrachi verloren ihre Masten ( interessanterweise beide fast in gleicher Höhe ) und sind nach La Coruna abgelaufen. Ob sie das Rennen wieder aufnehmen können, ist noch offen. Luca Sabiu musste sich sogar abbergen lassen und befindet sich nun ebenfalls in La Coruna. Die näheren Umstände werden sicher noch auf der Eventseite veröffentlicht. Auch andere Skipper scheinen bereits Probleme zu haben und fahren Kurse in Richtung portugiesischer Küste.

Ian LIPINSKI / Proto 865

Vorn führt im Protofeld der Topfavorit Ian Lipinski nahezu unangefochten – naja, die ersten Tage wurde er durch Erwan Le Mene mächtig unter Druck gesetzt oder sogar auf den 2. Platz verwiesen. Erst ein etwas sehr östlicher Kurs von Erwan lies ihn viel langsamer als Ian werden und er verlor dabei 40 sm seit gestern Nachmittag.
Dafür konnte Simon Koster nach der Kreuz endlich zeigen, was in der 888 steckt und holte vom 11. Platz am Mittwoch Morgen auf den 3. Platz heute auf und auch der 2.Platz, den momentan Arthur Leopold Lager hält. Arthur ist beim MT2013 (geändert – Dank an Kristian für die Erinnerung) kurz nach dem Start und in Führung liegend in sehr rauen Bedingungen kurz nach dem Raz de Sein über Bord gegangen (angeleint) und es gelang ihm nur unter Mühen wieder an Bord zu gelangen, wobei er sein Schiff flutete und der Mast brach. Danach stand ihm erst mal der Sinn nach anderem als segeln ( Mitgründer eines Flugzeugbau-Unternehmens) und das Training kam deshalb etwas kurz. Naja – offensichtlich kann er es noch …

In der Serienklasse hatte ich im letzten Artikel Remi Aubrun und Tom Dolan unterschlagen. Während Remi seiner geheimen Favoritenrolle gerecht wird und das Feld anführt, musste Tom Dolan gleich nach dem Start noch mal zurück ( Frühstart ?) und danach das Feld von hinten aufrollen. Das machte er so gut, dass er  – allerdings mit einem Rückstand von 41sm im Bereich der ersten 10 angekommen ist.

Remi AUBRUN / Série 868

Die anderen Führenden sind die schon genannten Erwan Le Draoulec, Yannick Le Cleach und Clarisse Cremer. Spannend ist – wie erwartet – wie gut Ambrogio Breccaria auf seinem alten P2 mithält und selten schlechter als Platz 5 segelt. Aus deutscher Sicht segelt Oliver Tessloff ein sehr gutes Rennen auch wenn er die Profis aus Frankreich und Italien etwas ziehen lassen musste ( aktuell Platz 12 / 51sm zurück). Mit dem ausgeprägten Flautenfeld, durch welches sich das Feld spätestens übermorgen wird hindurch schlagen müssen, ist aber noch nichts verloren, was natürlich auch für Jörg gilt.

Wind am Freitag

Andreas Deubel wird mit seiner Position sicher nicht glücklich sein auch wenn er es gestern schaffte, mal schnell 10 Plätze gut zu machen. Da dachte ich schon, dass er jetzt aufgewacht ist. Aber irgendwas hält ihn scheinbar fest und so ist er leider wieder auf Rang 40 zurückgefallen.

Andreas DEUBEL / Série 819

Lina als eine der jüngsten Starterinnen und sicher auch mit relativ wenig Hochseeerfahrung hält sich bisher recht tapfer auch wenn sie heute am südlichen Ende des TSA am Kap Finisterre aus irgendwelchen Gründen zu parken schien. Nun segelt sie aber wieder dem Feld hinterher.

Auch wenn es noch ein wenig früh ist für Potentialstatements, wenn man sich die Statistikseite ansieht, dann scheint es, dass ein gut gesegelter Pogo-3 einem gar nicht so alten Proto (7xx) nahezu ebenbürtig sein kann – ganz abgesehen von Arkema, welcher irgendwie an das unglückliche Hinterhersegeln von Simon beim MT2015 erinnert. Oder es gibt von Ian, Simon, Arthur … abgesehen keine Topleute mehr in der Protoklasse. Das wäre allerdings schade, denn die neueren Schiffe sind schon schneller, wenn auch nur Ian das Potential voll abrufen kann und wohl auch nur er eine Ideallinie zu finden scheint. Simon und Jörg sind zwar auch schnell (alle 3 Scows liegen bei den Geschwindigkeiten vorn) aber segeln auch weitere Wege als Ian oder Arthur. Jörg kommt sogar auf 30sm mehr als Arthur – bei einem Rückstand von 36sm auf ihn auf Platz 2.

BTW – Die Organisatoren haben inzwischen auch ein hübsches Video – naja … das Wetter war etwas grau … raus gebracht. Es ist trotzdem sehenswert, wenn auch für mich etwas sehr wild geschnitten …

Frank Eckardt

Sep 302017
 

Und morgen geht es wieder los – Zum 40 jährigen Jubiläum startet – wie inzwischen jedes ungerade Jahr – am 01.Oktober wieder das Mini-Transat. Das größte Transatlantik-Solo-Rennen mit Kultcharakter hat auch dieses Jahr wieder eine volle Starterliste mit 81 Einträgen, treffen kommende oder aktuelle Hochseeprofis wie Ian Lipinski, Clarisse Cremer und Jörg Riechers auf gestandene Amateure wie Andreas Deubel, die sich aber selbst nicht im Profilager verorten, bis hin zu Abenteurern wie Frederic Guerin und Francois Denis, die mit 62 bzw. 60 Jahren zeigen, wie ClasseMini Segeln in Frankreich interpretiert wird.

Ein ClasseMini ist klein und bezahlbar und so kann man auch ohne große Sponsoren im Hintergrund die Qualifikation sowie das Rennen meistern. Um ganz vor mitfahren zu können, braucht es aber neben soliden nautischen Fähigkeiten, einem konkurrenzfähigen Boot auch professionelles Training sowie die Teilnahme an möglichst vielen Klassenregatten um sich und das Boot vorzubereiten. Und spätestens bei den letzten beiden Punkten wird es für Amateure schwierig und für Skipper, die nicht in zumindest zeitweise der Bretagne wohnen können, fast unmöglich, vordere Plätze zu erringen.

Aber es gewinnen alle, die sich jemals der Qualifikation gestellt und während der sie wenigstens 2000sm an Regatta- und Soloqualifikationsmeilen gesammelt haben. Das Transat bildet dann für viele den abschließenden Höhepunkt und wenn man sich die Bilder ansieht, die momentan aus dem Village (incl. Bootsmesse Grand Pavois ) in La Rochelle kommen, dann fällt es schwer, sich der Faszination Mini-Transat zu entziehen. Doch man sollte sich nichts vormachen – sowohl die Qualifikationsrennen als auch das Transat gehören nicht umsonst zu den härtesten Rennen, die solo gesegelt werden.

Morgen geht es los mit der 1250sm langen 1. Etappe nach Las Palmas de Gran Canarias. Von dort startet am 30.10.2017 die wesentlich längere finale Etappe über den Atlantik nach Martinique (Le Marin).

Natürlich gibt es auch bei dem Rennen Favoriten, wobei die Protowertung nach Ansicht aller schon heute entschieden ist – wenn denn Ian Lipinski mit seinem Raison-Proto keine Schäden zu verzeichnen hat.  Die weiteren Podiumsaspiranten sind – so es keine großen Ausfälle gibt – Erwann Le Mene auf dem relativ alten Lombard-Proto 800, der aber als einziger Ian manchmal Paroli bieten konnte, Simon Koster auf seiner sehr außergewöhnlichen 888 sowie Jörg Riechers mit seinem – noch nicht fliegenden – Lilienthal. Und dann gibt es Quentin Vlamnyk mit dem einzigen Foiler (Arkema 900) im Feld, der aber bei allen bisherigen Regatten nicht zu überzeugen vermochte.

In der Serienwertung gibt es ebenfalls eine Reihe von Podiumsaspiranten, wie Clarisse Cremer, Erwan Le Draoulec, und Pierre Chedeville. Persönlich interessant finde ich auch Ambrogio Beccaria, der den Pogo2 eigenhändig grundinstandsetzte, mit dem sich Ian Lipinski beim Transat 2013 überschlug und in Folge abbergen lassen musste. Seitdem schafft er es regelmäßig sehr weit vorn anzukommen und das Azorenrace 2016 konnte er sogar als 2. beenden.

Ebenfalls eine spannende Entwicklung sind die nunmehr 4 Teilnehmer aus Deutschland : Lina Rixgens, Andreas Deubel, Jörg Riechers und Oliver Tessloff. Letzterer ist in der Serienwertung ebenfalls für eine Top-Ten-Platzierung gut.

Das Rennen kann per Tracker verfolgt werden : Bilder und Videos von Bord gibt es naturgemäß nicht – in der Klasse gibt es außer dem UKW-Funk keine Möglichkeit, mit der Außenwelt in Kontakt zu treten.

In unregelmäßigen Abständen werde ich versuchen, den Rennverlauf zu kommentieren.