Apr 242017
 
22/4/17- Emirates Team New Zealand prepare for their first day sailing in Bermuda - © ACEA - ETNZ

22/4/17- Emirates Team New Zealand prepare for their first day sailing in Bermuda – © ACEA – ETNZ

Nur noch 32 Tage bis zum Start des Louis Vuitton America´s Cup Qualifiers auf Bermuda und mit dem Eintreffen von Emirates Team New Zealand sind alle Herausforder vor Ort und im Training. Die Neuseeländer haben in ihrer selbstgewählten Isolation offensichtlich großes Vertrauen in das Design ihrer Yacht gewonnen und treten mit breiter Brust auf.

Und offensichtlich zu Recht, wie die hardcore Manöversequenz ab Minute 11:15 in dem neuen Video auf demYouTube Channel von MyislandhomeBDA zeigt. Ich bin gespannt, ob sich die Radler gegen die traditionellen Grinder durchsetzen können, besser als die Motoren an Bord von Alinghi und Dogzilla ist diese Lösung in jedem Fall.

Apr 102017
 
ORACLE Team USA AC 50 gekentert - 08.04.2017 - Photo © MyislandhomeBDA

ORACLE Team USA AC 50 gekentert – 08.04.2017 – Photo © MyislandhomeBDA

Am Samstag hat es ORACLE erwischt: Nachdem bereits Artemis einen Crash auf dem Revier des 35. AC vor Bermuda hingelegt hat, überreizte am Samstag Jimmy Spithill sein Blatt und konnte die Kenterung eines AC 50 nicht abwenden. Hier die Langfassung des Video von MyIslandHomeBDA auf Youtube.

Laut der Website von ORACLE wurde die neue AC Yacht bei der „soft capsize“ nur leicht beschädigt, das Flügelrigg blieb bis auf einige kleiner Schäden im Topbereich unbeschädigt. Hier das Video von der ORCALE on-board Kamera, welche das Geschehen aufgezeichnet und von ORACLE ins Netz gestellt wurde.

Jul 212014
 

Eigentlich sollte hier ein Artikel über die GC32-Regatta in Kiel stehen. Doch eine Woche vor Veranstaltungsbeginn wurde diese abgesagt, laut Presseerklärung des Veranstalters wegen technischer Probleme, die verhindert hätten, dass ausreichend viele Boote hätten antreten können. Nun ja, keine gute Werbung für eine neue Serie, die das seit dem letzten America’s Cup salonfähig gewordene Foilen Seglern und Fans näherbringen möchte. Apropos America’s Cup…

Nach der phänomenalen Verteidigung des America’s Cups durch Oracle Team USA (OTUSA) im September vergangenen Jahres war es erstmal still geworden um die alte Kanne. Bis vor einigen Wochen das Protokoll zur 35sten Austragung vom Golden Gate Yacht Club (GGYC) als Oracle Racings Patron und dem Herausforderer vom Dienst (Challenger of Record, CoR) Hamilton Island Yacht Club (HIYC) unterschrieben wurde.

Ein Protokoll, das

– wieder die Teilnahme an der America’s Cup World Series in vorerst nicht-foilenden AC45 vorschreibt

– die Herausfordererserie (vormals Louis Vuitton Cup) in Qualifiers mit allen Teams – immerhin gibt es da schon den ersten Punkt für den eigentlichen America’s Cup zu holen – und Challenger Playoffs mit den vier besten Herausforderern zerstückelt – die Playoffs finden dabei an einem anderen, dem eigentlichen Match-Ort statt

– es dem Verteidiger OTUSA erlaubt, in den Qualifiers bei den Herausforderern mitzusegeln

– keine internationale Jury mehr vorsieht, sondern ein Schiedsgericht aus drei Mitgliedern des CAS (Court of Arbitration of Sport) – bye-bye ISAF

Und Boote gibt’s auch
Die gerade neu für den letzten Cup entworfene Klasse der AC72 hat nun lediglich Schrottwert, denn es gibt was Neues: foilende Katamarane, 62ft lang, mit vielen Einheitskomponenten, um Kosten zu sparen. Oracle Racing als Verteidiger stehen, wenn sie nicht mehr gegen die Herausforderer in den Vorrunden segeln, zwei Plattformen (Rümpfe und Traversen) aus derselben Form zu, den Herausforderern jeweils ein Satz. Vorteil OTUSA, falls es mal rumst und das Wettkampfboot irreparabel beschädigt ist.

Höre ich da jemanden „Ernesto Bertarelli“ flüstern? In der Tat, viele dieser Punkte sind, wenn auch anders umgesetzt, SNGs Ideen zum 33. AC sehr ähnlich. Eben noch von Oracle Racing bekämpft und nun von den gleichen Leuten ins Regelwerk gegossen. Honi soit qui mal y pense.

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Drei Fälle für den Mülleimer: Statt 72 Fuß dürfen die Boote nur noch 62 Fuß lang sein, und San Francisco als Austragungsort ist auch Geschichte. (Foto © Andy)

Nun kann es aber noch seltsamer kommen
Die Austragungsorte stehen nämlich nicht im Protokoll, sondern nur, dass wir am 31. Dezember dieses Jahres mehr wissen werden. Und wer nun glaubt, dass es sicherlich wieder San Francisco sein wird, liegt schief. AC-Haudegen Russell Coutts in seiner Funktion als CEO des Ausrichters ACEA hat offensichtlich wenig Feingefühl bei seinen Verhandlungen mit der Pazifikstadt gehabt, so dass nach kurzer Zeit beide Seiten ihr Desinteresse an einer weiteren Zusammenarbeit kundtaten. Und so blieben San Diego und Bermuda, ein britisches Überseeterritorium, im Rennen um den Austragungsort, nachdem Chicago aussortiert wurde. Die interessierten Herausfordererteams überschlugen sich jedenfalls nicht vor Freude über diese Auswahl. Insbesondere kommerzielle Teams, die sich nicht auf das Ego eines Milliardärs als Geldgeber stützen, können mit San Diego nur bedingt und mit Bermuda gar nichts anfangen. Hier wird klar, dass Coutts‘ oft verkündete „Kommerzialisierung des Cups“ Geld in Russell’s Taschen über eine Austragungsgebühr vom Veranstaltungsort bedeutet und nicht Möglichkeiten der Sponsorenbespaßung für die Herausfordererteams zu schaffen.

Nun müssen wir und ins Gedächtnis zurückrufen, dass sich GGYC das Protokoll nicht alleine ausgedacht hat, sondern der Herausforderer vom Dienst, HIYC, unter Bob Oatley als Commodore und Iain Murray – eben noch Regattadirektor für AC34 und nun Teamchef – mitverhandelt hat.

Umso erstaunlicher war, was am letzten Freitag passierte: HIYC zog seine Herausforderung zurück! Zum zweiten Mal bei zwei Verteidigungen steht GGYC ohne CoR da. Ein bisschen peinlich ist das schon.

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Iain Murray: Regattadirektor für den 34sten America’s Cup, dann Repräsentant des ex-CoRs für AC35. (Foto © ACEA / Gilles Martin-Raget)

Die Frage, die sich jetzt aufdrängt: Warum?
Offiziell werden finanzielle Gründe genannt, die Hoffnung, das Protokoll so zu gestalten, dass eine Teilnahme erschwinglich sei, und der Schwerpunkt wieder auf den eigentlichen Sport zurückkehre. Die Oatelys, spätestens bekannt durch ihre gefühlten 1000 Siege beim Sydney-Hobart Race, hatten sich die AC-Welt wohl anders vorgestellt. Glaubten sie doch, das Protokoll ermögliche eine erfolgreiche Teilnahme für 50 Millionen Dollar, und alles, was an Kleingeld fehlen sollte, könnten Sponsoren beibringen, denen San Francisco als attraktiver Ort zum Geschäfte- und Werbungmachen verkauft werden kann.

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Wein und Ferieninsel genügen nicht, um eine America’s Cup-Herausforderung zu stemmen: HIYC-Commodore Bob und -Vorsitzender Sandy Oatley (Foto © Andrea Francolini)

Und nun eventuell Bermuda? Ein Eiland, das als Ferienort der Begüterten in direkter Konkurrenz zu Oatleys Hamilton Island Resort steht? Wo es nicht genug Zuschauer geben wird, die Winzer Oatleys Weine probieren möchten? Das war denn wohl zu viel, und der HIYC zog seine Herausforderung zurück.

Nun regelt das Protokoll auch diesen Fall. Der nächste Herausforderer rückt nach und übernimmt die CoR-Rolle. Nur, wer soll das sein? Die Tatsache, dass sieben Tage nach der Abgabe der Herausforderung bereits eine Million Dollar Nenngeld fällig wird und bis Ende des Jahres nochmal zwei Millionen, lässt einige interessierte Teams bis zur Deadline am 8. August warten, auch in der Hoffnung, dass im Falle zu weniger Herausforderer die Gebühren sinken. Das hatte beim 34sten America’s Cup ja auch funktioniert.

Emirates Team New Zealand hat anscheinend noch nicht genannt. Ben Ainslie Racing aus Großbritannien? Die Italiener von Luna Rossa? Artemis Racing aus Schweden, die bereits verlauten haben lassen, dass sie an der CoR-Rolle nicht noch einmal interessiert seien?

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Hat schon viel gesehen in seiner über 160 Jahre alten Geschichte: Der America’s Cup (Foto © ACEA / Gilles Martin-Raget)

Wenn auch unwahrscheinlich, so gibt es tatsächlich eine kleine Chance, dass das Protokoll mit einem neuen CoR neu verhandelt wird. Doch, was soll sich ändern? Die Entscheidung über den Austragungsort fällt der Verteidiger oder seine Beauftragten von ACEA. Und damit kann er beeinflussen, wie leicht oder schwer die Finanzierung der kommerziellen Teams, vornehmlich Emirates Team New Zealands und Ben Ainslie Racings, wird. Auch eine Möglichkeit, die Konkurrenz zu schwächen.

Den America’s Cup an sich wirft dieser weitere Rücktritt eines Challengers of  Record nicht aus der Bahn, die „hässliche Gießkanne“ hat schon ganz Anderes gesehen und überlebt. Solange es Milliardärsegos gibt, die locker über hundert Millionen Dollar für ihr Hobby springen lassen, wird es heißen: The Show Must Go On.