Gesunder Menschenverstand und BSR?

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sportbootjo
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Gesunder Menschenverstand und BSR?

Beitragvon sportbootjo » 02.11.2006, 08:44

Am Dienstag habe ich die geballte Kraft der orangen Macht genießen dürfen! Als treudoofer Berliner Bürger fahre ich brav meinen Sperrmüll zum BSR Recycling-Hof und sortiere sorgfältig den alten Kram in die dafür aufgestellten Boxen. Kaum stand ich in dem Altmetall Container sprang mir der Kopf einer Industrienähmaschine ins Auge. Automatisch schaltete bei mir das anscheinend genetisch tiefverankerte "Jäger&Sammler" Programm ein und ich nahm das Teil in die Hand. Schräge Nadelführung, Transportzahnreihe, Garnführung, Antriebsrolle, alles da und ich wollte sowieso noch bei Sebastian vorbei. Und er als Segelmacher kann doch sowas bestimmt gebrauchen - zumal er auch noch eine ADLER Maschine in seiner Werkstatt zu stehen hat. Also Handy gezückt und angerufen. Mittlerweile hatte meine Begeisterung die Aufmerksamkeit eines der BSR-Arbeiter geweckt. Mit festen Blick auf meinen Fund steuerte er auf mich zu und polterte mir ein: "Was drin ist, ist drin und kommt nicht mehr raus!" zu. Auf meine Erklärungen in dem Sinn von "Recycling - Wiederverwendung - noch zu gebrauchen" plusterte er sich richtig auf, schob seine Wampe noch dichter an mich ran und meinte "Hör uff zu telefonieren, ick sag det jetzt nur noch enmal: Wat drin ist, bleibt drin und Schluß is!" Irgendwie vermittelte mir der Herr von der BSR das man mit dem Eintritt in die Orange Macht verpflichtet ist, seinen Verstand an der Stechuhr abzugeben. Also verzichtete ich darauf, Argumente wie "Gesunder Menschenverstand" oder "Logisches Denken" in die doch recht einseitige Unterhaltung einzubringen. Nachdem der Orang Utan den Nähmaschinenkopf mit festem Griff an sich genommen hatte und mit einem kräftigen Wurf schwungvoll in die hinterste Ecke des Containers geschmissen hatte, sah ich die Nutzlosigkeit meines Gesprächversuches ein.

Aber der Mensch an sich ist ja lernfähig: Beim zweiten Besuch bei den Herren der Wertstoffsammler am selben Tag fiel mein Blick auf den in der Zwischenzeit kräftig gewachsenen Altmetallhaufen. Und was erspähten meine Augen: Einen wunderschönen 20 l Reservekanister aus ALU! ALU - ich meine, wißt ihr was die Dinger kosten und wie wunderbar leicht die sind im Vergleich zu den Stahlblechdingern, mit denen ich mal im tiefen Wald und dunkler Winternacht durch den Schnee zwischen LKW und meinen Leopard 1 hin und her gedackelt bin, in jeder Hand einen vollen Kanister Diesel, bis das Monster endlich aufgetankt war? Wie die kyrillischen Prägebuchstaben auf dem Kanister vermuten lassen, war er anscheint aus russischen Militärbeständen in einen Berliner Haushalt gelandet. Beim Schütteln hörte ich eine Flüssigkeit drin plätschern. Mittlerweile hatte ich wieder die Aufmerksamkeit des engagierten Mitarbeiters der BSR gewonnen. Und zu meinen Füßen lag eine wunderbare Axt mit Holzstiel und geschmiedeter Klinge Made in W.-Germany. Die hatte es mir sofort angetan und ich nahme sie in die Hand und machte mit ihr ein paar Probeschwünge. Das Teil lag wirklich ausgewogen in der Hand und als das Orange immer näher kam, krachte die Axt runter und rein in den Alukanister! Ich sage es offen und ehrlich: Das hat mir schon was weh getan, diesen Kanister mit einem Hieb kaputt zu schlagen. Der BSRler blieb wie angewurzelt stehen, ich nahm meine neue Axt in die rechte Hand und ging an ihm vorbei zum Auto. Seltsam, diesmal hörte ich kein "Was drin ist, bleibt drin!" im preußischen "Ich dulde keinen Widerspruch auf meinem Recycling Hof" Ton.
Und die Moral von der Geschichte: Nie die Hoffnung aufgeben, manchmal dauert es einfach nur was länger, bis sich der gesunde Menschenverstand durchsetzt.
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