Deutsches Ausrüstungskartell???

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jahseil
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Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon jahseil » 01.07.2011, 15:08

Moin zusammen,

Wir haben vor einiger Zeit in kleiner Runde (also eher Stammtisch- als Wissenschaftsniveau) festgestellt, dass Ausrüstung (Beschläge, Winschen usw.) und Segelbekleidung von einigen wenigen Großhändlern (Kohlhoff, Frisch, ...., ?) in Deutschland verkauft werden und dadurch (?) im internationalen Vergleich relativ teuer sind. Unsere Lösung wird sein Europa zu nutzen und in Zukunft im Ausland zu ordern.

Mich würde interessieren ob das eine Einzelmeinung der Runde ist oder ihr eine ähnliche Wahrnehmung habt.

Ist unsere Einschätzung richtig?

Was sagen die Händler dazu?

Wo bezieht ihr euer Equipment?

Vielen Dank!

Gruß

Henk
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon Henk » 05.07.2011, 09:32

In der Tat eine gute Frage! Würde mich auch mal interessieren.
... sagt Henk, Dein Pruuter ;-)

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sportbootjo
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sportbootjo » 17.07.2011, 22:10

Mmh, ich vermute mal, dass es sich bei Deinen Ausrüstungsgegenständen um mehr als nur ein Block für die Großschot oder ein Winschkurbel handelt, die auf die Schnelle ersetzt werden muß.

Wenn es in die Tausende EURO geht und ein dickes Elektronikpaket, 4,6 Winschen für den Refit geordert werden sollen, dann liegt es nahe, die Preise im Ausland zu checken. Je nach Kurs ist England oder Schweden eine Alternative, Polen könnte auch interessant sein. Versandkosten sind wohl weniger das Thema, Umsatzsteuer könnte schon interessantere Fragen aufwerfen, obwohl hier bei EU internen Käufen das Problem nicht vergleichbar mit Import als Pivatperson aus den USA z.B. ist.

Ein Punkt, der beim Kauf im Ausland immer wieder zu Streit führen kann, ist die Gewährleistung / Garantie oder Umtausch / Rücksendung. Und im Streitfall als deutscher Käufer in England zu prozessieren ist wohl nur was für die ganz harten Jungs.

Aber was hindert einen dran, mit den Preisen aus dem Ausland zum Händler vor Ort / Versandhandel in Deutschland zu dackeln und über den Preis zu sprechen. Und wenn der Gegenpart sich nicht bewegt, kann man ja immer noch per Online und Kreditkarte den Deal im Ausland angehen.
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon S2000 Sailing » 18.07.2011, 20:26

Der Preisunterschied ist schon enorm. Das Problem liegt aber bei den deutschen Zwichenhändlern.

Beispiel: GBR Spinlock Deckvest 275N VK: 279.59 € (http://www.force4.co.uk/8118/Spinlock-- ... rness.html)
GER Spinlock Deckvest 275N VK: 369.95 € (http://www.compass24.de/web/catalog/sho ... en/5292048)

Die Idee zu handeln ist natürlich sehr gut allerdings wird es nichts bringen. Der EK Preis zb. für die Weste liegt bei dem deutschen Großhändler aus München bei dem alle deutschen händler bezihen müssen ja schon bei: 287,82 incl. mwst.

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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sail_it » 19.07.2011, 00:16

Das Problem ist doch, dass die wenigen Importeure/Großhändler vor allem den (eigenen) Einzelhändlern schaden - denn wenn ich direkt in England bestelle dann hat mein Yachtshop am Hafen nichts davon. Ziemlich naive Preispolitik, denn ohne Einzelhändler gehts auch den Importeuren langfristig schlechter ... oder es gibt irgendwann nur noch Segel-Aldis die Vorsaisonware verrammschen.

Den Musto HPX Ocean Boot gibts z.B. bei Wetsuitoutlet inkl. Versand für weniger als den EK eines deutschen Einzelhändlers (hab per Freispreche beim Telefonat zugehört). Genialerweise kann ich meinen Musto Boot aber beim deutschen Importeur umtauschen ... spricht zwar für die Marke, nicht aber für den Importeur.
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sailingklaus » 19.07.2011, 11:52

Das Beste wärewohl,in UK einen Online Export Handel für das Zeug zu gründen und zum dortigen EK einkaufen und dann nach hier verschiffen. Oder so...

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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sail_it » 20.07.2011, 13:53

Die Frischs und Kohlhoffs lesen doch sicher auch hier mit, vielleicht erklärt ja mal jemand warum in Schland alles teurer sein muss?

Ansonsten Fastnet segeln und dabei gleich einkleiden ;)
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sailingklaus » 20.07.2011, 16:13

sail_it hat geschrieben:Die Frischs und Kohlhoffs lesen doch sicher auch hier mit, vielleicht erklärt ja mal jemand warum in Schland alles teurer sein muss?


Weil halt!!!

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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon Manfred » 20.07.2011, 16:16

Ich sehe da kein Kartell. Das ist einfach diese eine Handelsstufe mehr, die es notwendigerweise für die meisten "Marine" Produkte in GER geben muss. Man muss ja nicht Harken oder Ronstan kaufen, es kann ja auch Sprenger sein. (nur um Beispiele zu nennen). Leider wird in GER nur noch weniges hergestellt und dann muss, oder will, jemand in die Bresche springen und importiert das Zeugs. Darüber sollten wir uns freuen und das unterstützen. Der Importeur braucht Absatz, also Händler. Nur vom jährlichen Verkauf auf der Kieler Woche oder TW kann keiner existieren. Und alles muss finanziert werden. Miete, Lagerware, Angestellte, Licht, Wasser, etc. Das kostet und mit Blöcken und Schoten verdient man das nicht. Also Klamotten rein in den Laden und bald gibt es nur noch in wenigen Läden das Beschlagszeugs, was wir für die Renn-oder sonst wie Segelei benötigen. Das ist schon der Anfang einer Spirale des Niedergangs, denn wenn der örtliche Shop nichts mehr hat, springt jetzt der Baumarkt ein. Auf 2 Regalwänden ein unglaubliches Angebot. Ob das gut geht? Keine Ahnung. Dann der Internethandel. Die üblichen Verdächtigen müssen das ja auch lagermäßig vorhalten. Du willst es ja morgen schon haben.Ich am liebsten heute und darum bin ich früher, als ich noch mehr Beschläge etc. brauchte, in Hamburg an die "Waterkant" gegangen und habe es definitiv bei Schmeding, Niemeyer, Canel oder Schefferling bekommen. Und man hat gar nicht diesen mühsamen Preisvergleich gemacht, sondern man hat es gekauft und wenn das Geld nicht reichte, eben etwas weniger oder den Bedarf verschoben und repariert.

Um bei Deinem Beispiel zu bleiben, S2000Sailing: GBR kauft für 223,-- und GER kauft für 233,-- ein (ohne MWSt.) Bleiben wir in GER: Importeur und Händler müssen Geld verdienen. Rechne mal die 369.95 inkl MWSt. rückwärts. Da siehst Du dass das äußerst knapp kalkuliert ist. Da reichen die knapp 16%, wenn man den Aufschlag aufteilt) bei den Gemeinkosten in Deutschland, nicht aus, um das Licht anzuknipsen. Wie der Engländer seinen Preis kalkuliert hat, bei 20% MWSt (VAT) will sich mir nicht erschließen. Ein Lockangebot, bestimmt keine Lagerware oder FORCE4 rechnet damit, Dir noch etwas überteuertes umzuhängen.

Ändern würde sich die Situation, wenn der englische Hersteller in seinem Heimatland nicht auch direkt an Händler verkauft, sondern erstmal einen Großhändler zwischen schaltet, der wiederum die Händler betreut. Das würde Gleichheit schaffen. Vielleicht etwas für unsere EU Politiker (mit und ohne Dr. Titel)

Ich sehe durch den zunehmenden Internet Handel einen großen Wandel auf die Gesellschaft, auf uns zukommen. Samstag hat wieder ein Einzelhändler in der Stadt schließen müssen (Bürobedarf). Wohin die Reise geht, vermag ich nicht zu sagen. Vielleicht hat jemand hier ne Vision oder ne Antwort auf diese wichtigen Fragen über die Zukunft des maritimen Handels.
smooth sailing
Manfred
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon sail_it » 20.07.2011, 21:13

Manfred hat geschrieben:Leider wird in GER nur noch weniges hergestellt und dann muss, oder will, jemand in die Bresche springen und importiert das Zeugs. Darüber sollten wir uns freuen und das unterstützen. Der Importeur braucht Absatz, also Händler. Nur vom jährlichen Verkauf auf der Kieler Woche oder TW kann keiner existieren. Und alles muss finanziert werden. Miete, Lagerware, Angestellte, Licht, Wasser, etc. Das kostet und mit Blöcken und Schoten verdient man das nicht. Also Klamotten rein in den Laden und bald gibt es nur noch in wenigen Läden das Beschlagszeugs, was wir für die Renn-oder sonst wie Segelei benötigen. Das ist schon der Anfang einer Spirale des Niedergangs, denn wenn der örtliche Shop nichts mehr hat, springt jetzt der Baumarkt ein. Auf 2 Regalwänden ein unglaubliches Angebot. Ob das gut geht?


Warum soll ich den einfachere Qualität kaufen? Das ist ja nun echt nicht die Lösung ... Und warum der Musto-Stiefel (der eh in Vietnam hergestellt wird) im deutschen (Großhändler-) Regal teurer sein soll als im englischen (Einzelhändler-) Regal, ist mir schleierhaft.
Und ich bleib dabei, mit der Preispolitik graben sich die deutschen GROSS-Händler selbst das Wasser ab und das merken eben zuerst leider die Einzelhändler :( Mal davon abgesehen, dass die GROSS-Händler auch ganz gern mal am Einzelhandel vorbei direkt an Kunden verkaufen. Da muss die Kiste nur dick genug sein und schon leuchten die Dollarzeichen in den Augen und der örtliche Handel guckt in die Röhre.
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Re: Deutsches Ausrüstungskartell???

Beitragvon jahseil » 20.07.2011, 21:15

Moin,
Vielen Dank für die zahlreichen Antworten. Endlich wieder Leben im Forum!;)

Anscheinend stimmt die Mehrheit der Stammtischthese zu und kennt auch mittlerweile die richtigen Quellen im Ausland.

@Manfred:
Ich sehe ebenfalls ein Problem bei Dingen die ich "sofort" benötige (spontaner Defekt, Kleinteile die ich nach der Arbeit kurz mitnehmen möchte, ein einzelner Block usw.). Deshalb kaufe ich bisher immer noch viele Dinge teuer bei dem einzig verbliebenen ernstzunehmenden Yachtausrüster in Hamburg, ehemalige Nachbarschaft von Carnel usw.. Ist ja auch nett wenn man vor dem Kauf "Anfassen" kann.

Allerdings sehe ich auch für diese Läden ziemlich schwarz:

Kleidung: hält der Einzelhändler immer nur in wenigen Größen vor, also muss ich ebenfalls bestellen, sogar vor Anprobe! Häufig wäre schicken lassen, anprobieren und evtl. zurückschicken immer noch schneller und ich müsste theoretisch noch nicht mal das Haus verlassen. Ich habe zum Anfang der Saison in UK bestellt und mein Ölzeug völlig problemlos innerhalb von wenigen Tagen (2-3?) erhalten. Umtausch war zum Glück nicht notwendig. Ich würde das aber beim nächsten Mal wieder riskieren. Zusätzlich sind die nicht-deutschen Händler in der Lage bessere Preise zu machen. In Deutschland gibt es meiner Erfahrung nach auch keinen Preisunterschied zwischen Online- und Ladenkauf, zumindest bei den großen etablierten Marken.

Hardware: Gleiches Spiel wie oben. Ich bekomme im Geschäft nur den absoluten Standard. Alles andere muss ich bestellen. Beratung ist für Regattasegler mit "Freak"-Ansprüchen ohnehin nicht zu bekommen. Also kaufe ich direkt online. Schnell und günstig(er).

Bzgl. der Zukunft vermute ich eine Entwicklung in Richtung Amazon und könnte damit auch gut leben. Noch mehr Professionalisierung und Standardisierung bei Abwicklung, Umtausch, Reklamation.
Wahrscheinlich dauert es in der Segelwelt wie immer etwas länger, da das Geld i.d.R. nicht bei den jungen Leuten zu finden ist.

Wünschenswert wäre (nicht nur im Segelsport) eine Art dauerhafte Messe auf der ich mir die Produkte anschauen und mich vernünftig beraten lassen kann. Diese Entwicklung wurde auch schonmal für andere Produkte vorhergesagt, hat allerdings bisher nicht stattgefunden (Flagship-Stores?).

Andererseits kann man sich Beratung und Erfahrungsberichte mittlerweile auch gut in den einschlägigen Foren besorgen. Das ist leider teilweise mit erheblichem Zeitaufwand verbunden.
Vielleicht sollte man mal Tests für Segelequipment in einem SA-community-effort strukturieren.

Andere Ideen/Einschätzungen?

Gruß


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